F.A.Q.

– Häufig gestellte Fragen an/über den BAK Shalom –

Seit unserem Bestehen 2007 werden wir immer wieder mit bestimmten Fragen konfrontiert, die oftmals auf Gerüchten, Fehlinformationen oder Missverständnissen beruhen. Daher haben wir an dieser Stelle einige von ihnen zusammengetragen und beantwortet. Dabei ist uns bewusst, dass viele Fragen aufgrund ihrer Komplexität einer längeren Antwort bedürften. Dies trifft insbesondere auf die Definition des Antisemitismus zu, die folgend einer idealtypischen Begriffsbildung entspricht.

I.) Was ist Antisemitismus?
Antisemitismus ist eine in der Moderne entstandene und zugleich gegen sie gerichtete Ideologie. Sie beansprucht die Welt umfassend zu erklären und brandmarkt die Verwerfungen moderner Vergesellschaftung als jüdisch. Komplexe und zuweilen undurchsichtige Vorgänge in der Gesellschaft werden in einfache Freund-Feind-Schemata übertragen und an Juden oder vermeintliche Juden festgemacht. Jüdisches wird mit Abstraktheit und Unnatürlichkeit verbunden (z.B. Börsenhandel, Kosmopolitismus), dem das vermeintlich Gute im Konkreten und Natürlichen entgegen steht (z.B. „ehrliche Arbeit“, Volk). Antisemitismus unterscheidet sich vom Rassismus dadurch, dass er Juden als übermächtig ansieht, die die Welt mithilfe geheimer Zirkel kontrollieren und nicht wie andere „Rassen“ als minderwertig versteht. Zudem werden Juden aufgrund ihrer jahrhundertelangen diasporischen Lebensweise als Antination begriffen, die keine natürliche Staatlichkeit entwickeln könnten. Sie sind damit Feind jeder Nation. Vom christlichen Antijudaismus unterscheidet er sich dadurch, dass er auch ohne religiöse Chiffren funktioniert und primär auf eine angebliche Verschwörung von Juden in politökonomischen Sphären abzielt.

Ähnlich funktioniert der israelbezogene Antisemitismus: Die komplexen Prozesse moderner Staatlichkeit werden auf einfache Schwarz-Weiß-Schemata übertragen. Negative Phänomene moderner Staatlichkeit wie die Herrschaft über die Staatsbürger, Grenzen, Gefängnisse oder das Militärwesen werden von den positiven Phänomenen wie Rechtsstaatlichkeit, Partizipation und Demokratie abgespalten und auf Israel isoliert. Der jüdische Staat wird somit als totalitärer, militaristischer und rassistischer Staat gesehen (Stichworte: Atommacht, Besatzungsmacht, „Apartheidregime“), während über die Verfasstheit anderer Staaten geschwiegen wird. Ihre Verbrechen werden verharmlost oder gar als notwendige Übel verteidigt. Sofern überhaupt demokratische und rechtstaatliche Aspekte im jüdischen Staat anerkannt werden, werden sie als bösartige Hinterlistigkeit abgetan. Das aktuellste Beispiel hierfür ist die Debatte über „pinkwashing“: So soll Israel bewusst homosexuellenfreundliche Politik betreiben, um von der Unterdrückung der Palästinenser abzulenken. Israel wird zudem unterstellt, die Geschicke der Welt zu beherrschen, indem es durch die jüdische Lobby die Politik der USA bestimmt. Darüber hinaus dient Israel als Folie für den sogenannten sekundären Antisemitismus (auch bekannt unter Schuldabwehr-Antisemitismus): So wird Israels Politik dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, um sich von der eigenen Schuld am NS zu entlasten.

II.) Was heißt hier „Solidarität mit Israel“?
Wir sind solidarisch mit Israel, weil in einer nationalstaatlich strukturierten Welt nur die Gründung eines jüdischen Staates Juden in letzter Instanz wirksam vor Antisemitismus schützen kann. Sowohl bürgerliche Assimilationsversprechen als auch der real existierende Sozialismus konnten den Antisemitismus nicht überwinden. Daher ist Israel nichts anderes als eine prekäre Schutzmaßnahme. Solange es Antisemitismus gibt, muss es einen jüdischen Staat als potentiellen Fluchtort geben.

III.) Ist Kritik an Israel antisemitisch?
Das kommt drauf an. Kritik an Israels Politik ist nicht per se antisemitisch. Kritik an Israels Politik ist nicht tabuisiert, sondern wird vielerorts zum Ausdruck gebracht. Es gibt keine Verschwörung, die Kritik an Israels Politik verunmöglicht, keine einflussreiche Lobby, die sie sanktioniert. Trotzdem werden immer wieder antisemitische Bilder bedient, wenn es um Israel geht. Und genau das kritisieren wir. So wird beispielsweise die angebliche Bösartigkeit, die früher den Juden zugesprochen wurde, heute zuweilen auf Israel übertragen. Merkmale hierfür sind zum Beispiel, wenn traditionelle antisemitische Chiffren verwendet werden, die israelische Politik in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird, extrem einseitige Schuldzuweisungen an Israel erfolgen und mit einem Maßstab gemessen wird, der an andere Staaten nicht angelegt wird. Schon das Wort „Israelkritik“ ist bizarr – oder gibt es etwa „Uruguaykritik“, „Neuseelandkritik“ oder „Palästinakritik“?

IV.) Seid ihr solidarisch mit Israel, weil ihr DIE LINKE koalitionsfähig machen wollt?
Nein. Unsere Solidarität mit Israel hat einen universellen Anspruch und leitet sich aus der Kritik des Antisemitismus und nicht aus einer angeblichen deutschen Staatsraison für Israel ab, die es in einer Koalition auf Bundesebene zu beachten gälte. Außerdem diskutieren wir die Frage nach Sinn und Unsinn LINKER-Regierungsbeteiligungen in unserem Arbeitskreis nicht. Egal ob Regierung oder Opposition: Wir wollen eine LINKE, die mit antizionistischen Traditionen bricht und sich von dem antiemanzipatorischen Antiimperialismus verabschiedet.

V.) Warum sagt ihr nie etwas zur Regierungspolitik Israels?
Unsere zentrale Aufgabe ist die Bekämpfung des Antisemitismus und der Israelfeindschaft. Antisemitismus und Israelfeindschaft sagen etwas über Antisemiten und Israelfeinde aus, nicht aber etwas über Juden bzw. Israel. Daher ist es für die Kritik des Antisemitismus irrelevant, was Israel im Nahen Osten macht. Wir sind kein Nahost-Arbeitskreis und kein politisches Beratergremium. Deshalb diskutieren wir auch keine Fragen konkreter Nahostpolitik und geben keine Stellungnahmen zu einer möglichen palästinensischen Staatsgründung oder dem israelischen Siedlungsbau ab. Nichtsdestotrotz ist uns bewusst, dass Ereignisse in Nahost antisemitische Ressentiments aktivieren können. Wenn wir also im seltenen Fall doch auf Geschehnisse in der Region eingehen, dann immer im Kontext einer kritischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus.

VI.) Seid ihr Kriegstreiber?
Nein. Der BAK Shalom steht prinzipiell für friedliche Konfliktlösungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Israel seine Bevölkerung nicht schützen darf – ganz im Gegenteil: Nur aus diesem Zweck wurde Israel gegründet. Solidarität mit Israel wäre nur eine Floskel, wenn dies nicht die Anwendung von Selbstverteidigungsmaßnahmen miteinschließen würde. Dies ist für uns ein Richtwert und bedeutet nicht, dass wir jeden Schuss im Nahen Osten kommentieren, geschweige denn verteidigen würden. Nochmals: Wir sind keine Nahost-Expertengruppe. Unsere Solidarität mit Israel leitet sich aus der Kritik des Antisemitismus ab und nicht von geostrategischen, antimuslimischen oder sonstigen Motiven, die uns oft vorgeworfen werden.

VII.) Wollt ihr einen Krieg gegen das iranische Regime?
Nein, wir wollen keinen Krieg, daher braucht es harte Sanktionen, die das iranische Regime treffen. Diese Sanktionen sind zwar nicht der optimale Weg, weil sie das Leben vieler Menschen erschweren, zugleich sind sie aber einziges Mittel, um einen Krieg abzuwenden: Durch politischen und ökonomischen Druck kann das Mullah-Regime entweder vom Kurs abgebracht oder sogar zum Sturz gebracht werden. Wir unterstützen daher die Kampagne STOP THE BOMB, weil sie den einzigen Weg gehen will, um friedlich das iranische Regime vom Atomprogramm abzubringen und den Druck auf das Regime zu erhöhen, damit es im Interesse der unterdrückten Iraner so schnell wie möglich kollabiert.

VIII.) Seid ihr Islamhasser?
Nein. Unsere Position ist die eines universellen Laizismus und betrifft daher alle Religionen gleichermaßen. Religion ist eine private Angelegenheit, die in der öffentlichen Sphäre nichts zu suchen hat. Daher sind wir dagegen, dass religiöse Auslegungen zur Grundlage ganzer Gesellschaften werden. Konflikte sehen wir nicht in erster Linie zwischen Religionen oder „Kulturkreisen“, sondern zwischen Säkularen und Fundamentalisten innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaften. Unsere Solidarität gehört allen emanzipatorischen Kräften, die den religiösen Fundamentalismus bekämpfen und für die Freiheit des Individuums eintreten.

IX.) Diffamiert ihr Antikapitalismus als Antisemitismus?
Nein. Wir kritisieren die kapitalistische Vergesellschaftung. Jedoch betrachten wir diese als abstraktes Phänomen, das nicht an Einzelpersonen festgemacht werden kann. Plumpe Feindschaft gegen Manager oder Banker lehnen wir ab, denn jeder von uns ist Teil dieser kapitalistischen Vergesellschaftung. Es sind die Verhältnisse, die das Handeln beherrschen. Ganz bewusst schrieb Karl Marx, dass es gelte, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Personalisierter Antikapitalismus jedoch ist anschlussfähig für antisemitische Wahnbilder. Die Vorstellung von Juden, die die Wirtschaft, die Politik, die Medien beherrschen, ist auch heute noch sehr weit verbreitet. Diese Form des Antikapitalismus ist nicht verkürzt, sondern grundlegend falsch. Sie könnte daher auch nicht weiter radikalisiert werden, sondern ist Ausdruck einer verschwörungstheoretischen Sicht, die nach den Hintermännern und konkret Verantwortlichen für die gesellschaftlichen Krisensymptomen sucht.

X.) Warum bedient ihr die „bürgerlichen Medien“, um gegen DIE LINKE zu agitieren?
Das tun wir nicht. Wir veröffentlichen wie andere auch unsere Stellungnahmen auf unserer Internetseite. Es steht den Medien frei, unsere Positionen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen oder nicht. Manchmal tun sie es, meistens nicht. Es gibt keine Verschwörung des BAK Shalom mit den „bürgerlichen Medien“ gegen DIE LINKE.

XI.) Wie kann ich beim BAK Shalom mitmachen?
Schreib uns einfach eine E-Mail an mail[at]bak-shalom.de und du wirst zu einem Treffen unserer Landesarbeitskreise oder zu einem zentralen BAK-Wochenende eingeladen. Außerdem finden regelmäßig Veranstaltungen von uns statt. Schau einfach auf unsere Internetseite nach. Zudem kannst du auch den Bundeskongress nutzen, um mit unseren Delegierten in Kontakt zu kommen.