Rede auf der Demonstration gegen den Al Quds Tag am 11.07.2015

By ronvarence • Jul 28th, 2015 • Category: Gesellschaft

Rede des Landesarbeitskreises (LAK) Shalom Berlin

Wir haben uns heute hier versammelt, um dem antisemitischen Al Quds Aufmarsch etwas entgegen zu setzen. Wir sind heute hier, um dem iranischen Regime, seinen Unterstützer*innen und seinen menschenverachtenden Ansichten etwas entgegen zu setzen. Aber wir stehen hier und nicht am Breitscheidplatz, weil unsere Israelsolidarität eine andere ist, als die der Konservativen und Liberalen in Deutschland. Wir stehen hier aus antifaschistischer Überzeugung und dem Wissen um die Notwendigkeit einer staatlichen Schutzmacht für Jüdinnen und Juden vor Antisemitismus - und nicht etwa als Legitimationsgrundlage des post-nazistischen Deutschlands. Die Aussage Konrad Adenauers aus dem Jahr 1965 bringt eben jenen deutschen postnazistischen Zeitgeist auf den Punkt.: “Die Macht der Juden auch heute noch, insbesondere in Amerika, soll man nicht unterschätzen. Und daher habe ich sehr überlegt und sehr bewusst – und das war von jeher meine Meinung – meine ganze Kraft daran gesetzt, so gut es ging, eine Versöhnung herbeizuführen zwischen dem jüdischen Volk und dem deutschen Volk.” Die angestrebte Westbindung und eine Nutzbarmachung der nationalsozialistischen Verbrechen zur Darstellung als geläuterte Nation treffen hier auf den antisemitischen Glauben vom großen Machteinflusses der Juden und Jüdinnen in Amerika. Heute wird in Deutschland trotz eines gewissen Erinnerungsstolzes der Antisemitismus überwiegend den arabischen Staaten und deren Einwohner*innen und Einwohner zugeschrieben, während Israel als Verbündeter im Kampf gegen die „Islamisierung“ des „christlich-jüdischen Abendlandes“ imaginiert wird. Die jahrhunderte alte antisemitische Tradition Europas wird einfach wegdefiniert .

Während konservative bis rechtspopulistische Kreise gegen Antisemitismus protestieren und dabei vom ‘importierten Antisemitismus’ sprechen und so antimuslimische Ressentiments aufwärmen, möchten wir noch einmal festhalten: Antisemitismus muss nicht nach Deutschland importiert werden, er erlebte hier im industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden und Jüdinnen seinen Höhepunkt. Doch dieser Höhepunkt wird in der aktuellen deutschen Gesellschaft mitnichten als ein Höhepunkt wahrgenommen, vielmehr gilt er als ein vermeintlicher Bruch, der aus dem Rahmen der deutschen Geschichte fällt. Ganz so, als hätte es vor 1933 keinerlei Antisemitismus gegeben, sei dieser nach 1945 ebenso einfach verschwunden. Und so werden die Kontinuitäten des Nationalsozialismus in der deutschen Gesellschaft nach 1945 einfach ausgeblendet.

Dabei hat sich eben jener Antisemitismus nach Auschwitz lediglich einen neuen Anstrich gegeben und artikuliert sich - trotz einer teilweise Israelsoldarität der Konservativen und Bürgerlichen - beispielsweise als Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für israelische Waren oder ruft gleich zum Israelboykott auf. “Israel ist unser Unglück”, das ist das neue Leitmotto, das von eimem ehemalige Anhänger der Waffen-SS ausgegeben wurde - nur eben heute mit letzter Tinte in bemühter Gedichtform verbreitet.

“Eine im Herbst 2012 veröffentlichte Untersuchung belegt, dass in allen den Nahost-Konflikt behandelnden deutschen Schulbüchern eine klare Rollenverteilung von israelischen Tätern und palästinensischen Opfern konstruiert wird. Generell wird Israel die Schuld an Gewalt und dem Konflikt generell gegeben. Gleichzeitig findet sich in allen untersuchten Schulbüchern nicht ein einziger Hinweis darauf, dass die Hamas Israel und alle Jüdinnen und Juden vernichten will. Es wirkt fast so, als wolle der deutsche Staat alles tun, um die Tradition des deutschen Antisemitismus und Antizionismus auch für die Zukunft zu bewahren. Die Souveränität und das Existenzrechts Israels werden im deutschen Diskurs permanent angegriffen. Während deutscher Menschenrechtsbellizismus anderswo militärische Interventionen mit Auschwitz rechtfertigt, muss sich der Staat der Auschwitz-Überlebenden immer wieder der deutschen Friedensliebe erwehren. So lacht das deutsche Friedensherz, wenn Günter Grass Israel zum allein Schuldigen am Nahostkonflikt und zum Feind des Weltfriedens erklärt. Gern wird in Deutschland auch das Ressentiment gegen Israel als Sorge um die Menschenrechte getarnt. So unterstützt eine Reihe von Mitgliedern staatstragender Parteien antiisraelische Boykottinitiativen wie die von Pax Christi organisierte Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“. Die Grünen forderten im Frühjahr dieses Jahres gar eine besondere Kennzeichnung israelischer Produkte und leisteten damit den antiisraelischen Boykottmaßnahmen in guter deutscher Tradition Vorschub.” So die Autonome Neuköllner Antifa im Jahr 2013.

Wo eine Welt ohne Antisemitismus angestrebt wird, müssen die deutschen Verhältnisse überwunden werden.

Der Hauptfeind ist - auch hier und heute - das eigene Land
(Und auch auf die Gefahr hin, dass die Berliner Polizei wieder eine Grund sieht ein zu greifen: Deutschland, du mieses Stück Scheiße)

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