Der Hauptfeind ist das eigene Land! Antideutsche Demonstration in Torgau am 25. April

By ronvarence • Apr 24th, 2015 • Category: Hauptartikel

Es ist unfassbar: 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist Deutschland eine Weltmacht. Die versäumte Umsetzung des Morgenthau-Plans konfrontiert die internationale Weltgemeinschaft in den letzten beiden Jahrzehnten mit einem wiedererstarkten Deutschland, dass aus seinen historischen »Fehlern« gelernt hat. Die militärische Option wurde weitestgehend ad acta gelegt. Stattdessen setzten die deutschen Eliten, im Windschatten des militärischen Schutzes durch die westlichen Alliierten, langfristig auf das »deutsche Wirtschaftswunder«. Das Resultat ist, dass das eigentlich besiegte Land ökonomisch gesehen – ganz im Gegensatz zu Großbritannien oder Frankreich – erstarkt aus der militärischen Niederlage hervorgegangen ist.

Dieses Vorgehensweise, leicht modifiziert, funktioniert noch bis heute. Die neuste deutsche Militärtechnologie findet man eher in den Händen von mexikanischen Sicherheitsbehörden oder arabischen Armeen, als im Depot der deutschen Bundeswehr. Wenn es in der Welt brennt, winkt Berlin gelangweilt ab und schaut erwartungsvoll über den Atlantik, zumindest gen Westen. Ob in Syrien, Irak, Jemen oder Nigeria, gegen die islamistische Barbarei sollen sich bitte andere aktiv engagieren. »Niemals wieder« bedeutet hierzulande trotz und wegen Auschwitz keinen Finger für das verfolgte Individuum krumm zu machen. Selbst dann nicht, wenn es die Tortur in seinem Heimatland sowie die anstrengende Flucht überlebt und bis vor die Haustür der Deutschen geschafft hat.

Der Wiederaufbau und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile, dass so genannte »Nation Building«, sind dagegen Deutschlands absolutes Steckenpferd. Deswegen reüssiert das Land auf der Weltbühne. Im internationalen Kampf um Rohstoffe, Marktanteile und Handelswege will die deutsche Wirtschaft langfristig vorne mitspielen. Das Image als Friedensmacht ist dabei für die Geschäfte nicht unerheblich. In knallharter Konkurrenz zu den USA, verkauften deutschen Firmen Komponenten zur Herstellung von Giftgas an jegliche »Schurkenstaaten«. Etwas Werbung in eigener Sache kann da nicht schaden. So tanzt der sozialdemokratische Wirtschaftsminister bereitwillig nach der Pfeife arabischer Emire und nicht nur in China fällt die Frage nach den grundlegendsten Menschenrechte unter den Verhandlungstisch. Im Kampf um den Exportweltmeistertitel ist dem Subjekt Staatskapital fast jedes Mittel Recht. Auch ein fauler Kompromiss im »Atom-Streit« mit dem Iran.

#stickthefingertogermany

Weder die Reeducation, noch der verordnete Antifaschismus haben nachhaltig etwas in diesem Land bewirkt. Wie rudimentär das Demokratieverständnis der deutschen Bevölkerung ist, offenbart sich immer dann am deutlichsten, wenn in einem anderen Land eine Partei die demokratischen Wahlen gewinnt, dessen politisches Programm den nationalen Interessen, beziehungsweise deutschen Befindlichkeiten, widerstrebt. Das trifft derzeit auf die neue Regierung in Athen zu, ebenso wie jene in Jerusalem. Während im deutschen Blätterwald dann reklamiert, protestiert und randaliert wird, bekunden auf dem diplomatischen Parkett die Deutschen ihre große Besorgnis über die zukünftige Entwicklung. An klugen Ratschlägen und harten Bandagen mangelt es dabei nicht. Nichts desto trotz, sondern gerade weil man zwei Weltkriege angezettelt hat. Vom Holocaust ganz zu Schweigen.

Der Vergangenheitsbewältigungsweltmeister ist derart dreist, dass berechtigte Forderungen nach Entschädigungen und Reparationszahlungen jahrzehntelang negiert und zum Teil bis heute noch nicht geleistet wurden. Die derzeitige Bundesregierung behauptet allen Ernstes, weil bisher noch kein Friedensvertrag unterzeichnet sei, müsse man z.B. die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Griechenland nicht leisten. Währenddessen ist Adolf Hitler ein weltweiter Exportschlager, als Marke mindestens genauso bekannt wie Coca-Cola, das Holocaust-Mahnmal in Berlin eine beliebte touristische Vergnügungsstätte und bald eines der beliebtesten Bücher dieses Landes, nein der Welt, wieder legal im Handel erhältlich: »Mein Kampf«.

Das ökonomische Erfolgsmodell Deutschland beruht auf einem autoritären Korporatismus, der u.a. für die notwendige Flexibilität der hierzulande angestellten Arbeitskraftbehälter sorgt. Nullrunden als gemeinschaftlicher Akt zur Rettung von Arbeitsplätzen, dank Überidentifizierung mit der eigenen Firma oder »freiwillige«, unentgeltliche Überstunden, wenn es mal nicht so gut im Betrieb läuft, sind für den deutschen Arbeiter selbstverständlich. Kleinere Gewerkschaften müssen hierzulande um ihre Existenz bangen, weil sie es gewagt hatten, ihr verbrieftes Recht auf einen legalen Arbeitskampf in Anspruch zu nehmen und den deutschen Volkszorn zu oft hervorriefen. Nicht zu vergessen, der rundum erneuerte Reichsarbeitsdienst, besser bekannt unter dem Namen »Ein-Euro-Job«.

Angela Merkel gefällt das.

Die neue Sehnsucht der deutschen Volksgemeinschaft nach den guten alten Zeiten findet ebenfalls in der modernen Form der nationalsozialistischen Familienpolitik, wonach Frauen an Heim und Herd gehören, sowie unzählige Kinder für die Volksgemeinschaft gebären sollen, wie dem »Müttergeld«, seinen Ausdruck. In Berlin-Mitte ist dieser »Backlash« daran zu erkennen, dass längst als ausgestorben geltende Vornamen auf einmal wieder in Mode kommen. Der dazugehörige Kinderwagen von Oma ist ein »must-have«, weil ohne Plastik, nicht aus Amerika und immer noch gut in Schuss. Gefüttert wird das Balg natürlich mit Lebensmittel ohne Gentechnik. Ein arischer Bub, braucht keine amerikanischen Bohnen. Die Ablehnung des Freihandelsabkommens TTIP bekommt man nicht nur in solchen Kiezen mit der Muttermilch indoktriniert.

Im Fernsehen bedauert die ganzen Nation die Opfer des zweiten Weltkrieges, wozu für sie zweifelsohne beinahe alle Deutschen gehören. Die Tatsache, dass eine rechtsterroristische Vereinigung, ungestört, zehn Jahre lang im Land morden konnte, ist den meisten Mitgliedern dieses erbarmungslosen Rackets dagegen völlig egal. Nationalsozialisten sind bzw. waren immer die Anderen. Grauenvolle Schmonzetten wie »Unsere Väter, unsere Mütter«, in denen „die keuschen, opferbereiten Arier, der Leutnant und die Krankenschwester, die Helden der Geschichte“ (New York Times – Chefkritiker B.O. Scott) sind, erreichen selbstverständlich hohe Einschaltquoten. Quacksalber wie Guido Knopp, gelten nicht nur im wissenschaftlichen Betrieb als ernstzunehmende Historiker. Und der Umstand, dass der ehemalige Wehrmachtssoldat Helmut Schmidt oder das ehemalige SS-Mitglied Günther Grass als große Intellektuelle dieses Landes gelten, erregt ebenso keinen öffentlichen Widerspruch.

Opposition in solchen Zeiten gleicht der Arbeit von Sysiphus. Die Lage ist verzweifelt, beinahe ausweglos. Allein die Erinnerung daran, dass Nazi-Deutschland letztendlich dennoch militärisch besiegt wurde, ist heute noch im deutschen Kollektivbewußtsein eine unvergessene Schmach. In diese Wunde wollen wir etwas Salz streuen. Also raus auf die Straße. Auf nach Torgau! Feiern wir am Elbe-Day, an dem Tag als die sowjetischen und amerikanischen Soldaten das erste Mal aufeinandertrafen, die Besetzung von Deutschland.

Im Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus. Deutschland in den Rücken fallen!

Antideutsche Aktion Berlin [ADAB]
Antifa Task Force [ATF] Jena
association [belle vie] Hannover
BAK Shalom der Linksjugend [’solid]
Contre la tristesse Rostock
Freundeskreis der Dialektik Rostock
Gesellschaftskritische Odyssee Halle
Linksjugend Sachsen
Linksjugend [’solid] Osnabrück

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Weitere Informationen zur Demo gibt es hier.

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