Bericht vom 24. BAK-Treffen in Leipzig: Großes Interesse am BAK Shalom - Ernüchterung über Zustände in Nordrhein-Westfalen

By ronvarence • Oct 16th, 2014 • Category: Berichte, Hauptartikel

Vom 12. bis 14. September fand das interne Verbandswochenende der Linksjugend ['solid] in Leipzig statt. In diesem Rahmen tagte auch der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom. Im Zentrum des Treffens stand die Auswertung der innerparteilichen Auseinandersetzung über die antisemitischen Vorfälle unter Beteiligung der LINKEN, zu denen es im Zuge der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas in diesem Sommer kam.

Bereits zu Beginn des Verbandswochenendes zeichnete sich ab, dass der BAK Shalom zum wiederholten Male den größten anwesenden Arbeitskreis darstellte. Der fast zu kleine Raum war gefüllt mit über 20 neuen und bekannten Gesichtern. Die Gründe hierfür dürften in der Brisanz der aktuellen Ereignisse aus Nordrhein-Westfalen liegen: So hatten Gruppen der Linksjugend ['solid] und der Partei DIE LINKE zu einer antiisraelischen Kundgebung in Essen aufgerufen. Wie vom BAK Shalom bereits im Vorfeld prognostiziert, kam es im Zuge der Kundgebung zu antisemitischen Vorfällen etwa durch das Zeigen von Hitlergrüßen und den Angriff auf eine pro-israelische Kundgebung einige hundert Meter weiter. Fast überdeckt von den Ereignissen in Essen kam es wenige Tage zuvor zu einem Angriff auf das Gründungstreffen der BAK Shalom AG Nordrhein-Westfalen in Wuppertal. Dort haben Schlägertrupps aus dem Umfeld der sogenannten Roten Antifa Mitglieder und Sympathisanten des BAK Shalom bedroht und körperlich angegriffen. Ein Beteiligter musste daraufhin in ein Krankenhaus. Wie sich herausstellte, waren Teile des Landessprecher_innenrates (LspR) der Linksjugend ['solid] Nordrhein-Westfalen in diese Vorfälle verwickelt. Der Bundessprecher_innenrat (BspR) der Linksjugend ['solid] hat nun Ausschlussanträge gegen die entsprechenden Personen gestellt. Insgesamt stellen wir fest, dass es anlässlich der Vorfälle in Nordrhein-Westfalen dieses Mal zu vielen Distanzierungen und erfreulichen Stellungnahmen von anderen Gruppen kam, die nicht dem BAK Shalom zuzurechnen sind. Allerdings haben diese Stellungnahmen keine anhaltenden Konsequenzen zur Folge. Stattdessen ist die Debatte über den Antisemitismus wieder einmal völlig abgeflaut. Damit ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu den nächsten Zwischenfällen – und unbeholfenen Distanzierungen – kommen wird. Das hat zur Folge, dass weitere Gruppen und Einzelpersonen resigniert Jugendverband und Partei verlassen werden.

Da das Problem aber nicht auf die Situation in Nordrhein-Westfalen beschränkt ist, werden wir unsere Angebote im Bereich der Aufklärungs- und Bildungsarbeit weiterentwickeln, um langfristig die Mitlgieder des Jugendverbands und der Partei für das Problem zu sensibilisieren und antisemitische Personen und Gruppen aus dem Jugendverband und der Partei zu drängen. Geplant sind neue Materialien vom BAK, etwa zu den Montagsmahnwachen oder über Fahnen und Symbole antisemitischer Organisationen (wie Hamas, Hisbollah, IS). Eine neue Projektgruppe entstand zur Erarbeitung von Einsteiger_innen-Texte, welche mit dem Entwickeln von Podcasts verbunden werden können.

Wie in jeder ehrenamtlichen Arbeitsgruppe blieben und bleiben auch im BAK Shalom Aufgaben liegen. Deshalb war die zweite Hälfte des Bundestreffens hauptsächlich der internen Arbeitsweise des BAK gewidmet. Fortlaufend melden sich zwar neue Interessierte, doch ebenso hoch ist die Fluktuation der Mitglieder. Mittlerweile besitzt der BAK weniger ein organisatorisches Zentrum, sondern er entspricht eher einem Netzwerk zum Austauschen von Informationen. Die große Herausforderung besteht darin, zukünftig die Arbeitslast auf mehrere Schultern zu verteilen und Wissenshierarchien abzubauen und gleichzeitig unsere interne Arbeitsstruktur zu verbessern.

Für das nächste Jahr ist ein weiteres Arbeitstreffen im Januar oder Februar angesetzt, um den kommenden Bundeskongress der Linksjugend vorzubereiten. Ferner möchten wir eine Bildungsreise nach Prag organisieren, die im Frühjahr 2015 stattfinden soll. Darüber hinaus jährt sich im kommenden Jahr zum 70. Mal die Befreiung von Auschwitz. Ein breites Bündnis, in dem auch die Linksjugend ['solid] aktiv ist, wird Aktionstage und eine Gedenkfahrt organisieren. Für den Bundesarbeitskreis Shalom wird also auch das kommende Jahr weitere Aufgaben und Herausforderungen bereithalten.

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