Antrag des BAK Shalom auf dem VII. Bundeskongress der Linksjugend: “Genderwatch- damit wir wissen, was wir tun. Und vielleicht lernen, es besser zu machen”

By ronvarence • Mar 28th, 2014 • Category: linksjugend ['solid]

Antrag: Der Bundeskongress möge beschließen, dass auf bundesweiten Veranstaltungen (z.B. auf Verbandswochenenden) Genderwatchs durchgeführt werden sollen.

Begründung: Obwohl in der linken Szene und Politik (fast) immer darauf geachtet wird, Frauen* einzubinden, zu fördern und nicht sexistisch zu diskriminieren und zu benachteiligen, fällt immer wieder auf: Frauen* sind mit einer viel geringeren Prozentzahl vertreten als ihre männlichen* Mitmenschen.

Eine Auswertung der Mitgliederdaten ergab, dass der weibliche Anteil bei rund 30% liegt. Leider ist es oftmals der Fall, dass in einigen Basisgruppen, AGs und BAKs es nicht mal 30% Frauen*anteil gibt. Auch die Arbeit des BAK Shalom ist äußerst stark durch Männer* geprägt.

Da das Problem der fehlenden Frauenbeteiligung in fast der gesamten Linksjugend ['solid] zu finden ist, möchten wir einen “Genderwatch” etablieren.

Was ist ein Genderwatch?

Ein Genderwatch ist sozusagen ein ’sich an den eigenen Zielen messen’ eines feministischen Verbandes. Selbst wenn man politisch keinen Unterschied machen will zwischen zwei biologischen Geschlechtern, so ist es heutzutage einfach immer noch ein real existierender Unterschied, und das nicht nur in der breiten Gesellschaft, sondern leider auch innerhalb von Verbänden etc., die sich selber als feministisch ansehen. Wir kommen nicht so einfach raus aus uns anerzogenen Geschlechterrollen.

Das ist uns innerhalb dieser Strukturen, die im Vergleich zum alltäglichen Leben eben doch recht aware sind für Sexismus, patriarchale Unterdrückungsformen, etc., nicht immer so klar. Ein gutes Mittel, um sich selber in Erinnerung zu rufen, dass auch der eigene Verband nicht perfekt ist, und durchaus Verbesserungsbedarf hat, ist der Genderwatch. Er dient zur Wachrüttelung, es ist häufig eben doch sehr erschreckend WIE sehr wir noch in den gesellschaftlichen Rollen drinstecken.

Was passiert aber überhaupt bei einem Genderwatch?
Es gibt unterschiedliche Arten, wie man einen Genderwatch durchführen kann. Es variert die Gruppengröße, die Anzahl der Menschen, die den Genderwatch durchführen, die Dinge auf die man Rücksicht nimmt. Bei einer großen Gruppe, wie ein Bundeskongress, sind es meistens vorallem statistische Auswertungen. Man überprüft, wie die Quotierung der Redebeiträge ist, kann die Quotierung immer eingehalten werden? Wie oft ist das nicht der Fall? Außerdem kann man auch die Zeit stoppen, um so herauszufinden, wie die Redezeit verteilt ist.

Auch kann man rein subjektiv wahrgenommene Dinge mitnehmen für die Auswertung. Z.B. wann ist das Publikum unruhig? Redet gerade eine Frau oder ein Mann? Wenn man ausführlicher wird, kann man auch versuchen zu bewerten, wie die Menschen reden. Reden mehr Frauen zu leise? Reden mehr Männer mit ausholenden Gesten und werden polemisch?

Das sind natürlich Dinge, die auch sehr individuell sind, aber auf die Masse betrachtet, können solche Tendenzen sehr erschreckend sein, und nur durch einen Genderwatch wird das ansatzweise statistisch festgehalten.

Natürlich reicht es nicht einfach nur zu sehen, wie der Genderwatch ausgegangen ist. Er soll eine Legitimation und argumentative Stütze sein, für mehr sensibilisierende Arbeit, für mehr Genderawareness, für mehr verbandsinterne Evaluation und Prozesse.

Die Auswertung der Daten kann helfen, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Frauen* sowie Männer* werden sensibilisiert, sexistische Vorkommnisse zu erkennen und zu kritisieren.

Was passiert beim Genderwatch nicht?
Es geht nicht darum irgendjemanden anzuklagen oder aufzuschreiben. Es geht um eine anonyme, statistische Auswertung. Es werden also keine Namen oder sonst etwas über die Person notiert außer ihr Geschlecht.

Die einzige Ausnahme bietet hier logischerweise ein kleiner Genderwatch in einer kleinen Gruppe, in der alle Mitglieder gewünscht haben, dass sie persönliche Feedbacks bekommen.

Ist es nicht scheiße, dass man von außen beurteilt, wer eine Frau ist und wer ein Mann?
Absolut. Deshalb kann man da leider niemals eine komplett exakte Betrachtung machen, jedoch funktioniert es natürlich ganz gut, wenn die Redebeiträge nach “weiblich” und “nicht weiblich” quotiert werden, einfach danach zu gehen, wofür sich die Menschen melden. Denn wie bei der Quote muss man beim Genderwatch sagen, dass so lange unsere Gesellschaft nicht gleichberechtigt ist, es notwendig ist zur Analyse und Behebung mit diesen Mitteln zu arbeiten.

Weitere Informationen zum Bundeskongress gibt es hier.

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