Bericht und Mitschnitt von Olaf Kistenmachers Vortrag „‚Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt’? Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus“ in Berlin

By ronvarence • Mar 28th, 2013 • Category: Berichte, Hauptartikel

Am 14. März referierte der Hamburger Historiker Olaf Kistenmacher auf Einladung des Landesarbeitskreis (LAK) Shalom der Linksjugend ['solid] Berlin vor etwa 80 Zuhörenden in der Schankwirtschaft Laidak, um den marxistisch-leninistischen Antiimperialismus einer kritischen Analyse zu unterziehen.

Hierbei machte Kistenmacher deutlich, dass Lenins Beschreibung von Aktionären und Bankiers als „parasitär“ insbesondere von der KPD ab den 1920er Jahren aufgenommen wurde. Diese warf im beschlossenen Parteiprogramm von 1930, das den bezeichnenden Titel „Die Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“ trug, der NSDAP vor, nicht nur keine sozialistische Partei zu sein, sondern auch keine nationale. Lediglich die KPD vertrete die Interessen des deutschen Volkes. In diesem Zusammenhang fällten KPD-Funktionäre auch eindeutig antisemitische Aussagen.

Der nationale Anspruch der KPD passte zur damalig proklamierten Strategie der Kommunistischen Internationale, die den Schulterschluss zwischen den Rätebewegungen in den Industrienationen einerseits und den nationalen Befreiungsbewegungen in den Kolonien andererseits suchte.

Dreh- und Angelpunkt dieser Forderung war die Annahme, dass sich ökonomische und politische Macht an einzelnen Personen, Personengruppen oder Staaten festmachen ließe. Kistenmacher kritisierte hierbei jedoch, dass die Komintern und die KPD Ursache und Wirkung kapitalistischer Vergesellschaftung verwechselt hätten: Eigenständige Akteure seien nicht die Ursache von Profitmaximierung, sondern vielmehr die strukturelle Eigenschaft des Kapitals, das in einem Prozess permanenter Selbstakkumulation immer weit- und tiefgreifender alle Sphären der Gesellschaft umspanne.

Aus diesem Grund erinnerte Kistenmacher abschließend an die Überlegungen Rosa Luxemburgs, die Imperialismus nicht als das Produkt einiger Staaten verstand, sondern als Ergebnis der Entwicklung des Kapitals, dem sich auch kein Staat entziehen könne. Luxemburg nennt neben den Proletariern aber kein weiteres revolutionäres Subjekt, wie etwa die unterdrückten Völker in den Kolonien, weil eine nationale Unabhängigkeit keinesfalls die strukturellen Gründe der kapitalistischen Vergesellschaftung abschaffe.

Der Vortrag dauert rund eine Stunde. Ab etwa der Hälfte des Vortrages geht Kistenmacher auf zwei Fragen aus dem Publikum ein, die möglicherweise auf dem Mitschnitt akustisch nur schwer verständlich sind.

[Download: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt“? Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus]

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