“Gegen jeden Antisemitismus!” AK Shalom vor Ort in Bamberg

By ronvarence • Feb 26th, 2013 • Category: linksjugend ['solid]

Haskala Bayern sprach mit VertreterInnen des AK Shalom der bayerischen Linksjugend ['solid]. Das Interview wird an dieser Stelle dokumentiert.

Haskala Bayern: „Kläre die Begriffe“ fordert Sokrates für eine sinnvolle Debatte. Wo beginnt für euch Antisemitismus?

AK Shalom Bamberg: Antisemitismus ist für uns die Ablehnung jüdischer Existenz und allem, was damit assoziiert wird. Auf Israel bezogen heißt das, dass jede Kritik, die auf Doppelstandards, Dämonisierung und Delegitimierung basiert, antisemitisch ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir Kritik an Staaten an und für sich ablehnen, im Gegenteil, diese ist für uns selbstverständlich.

Haskala Bayern: Den LAK Shalom Bayern gibt es ja schon einige Jahre. Wie waren die Reaktionen auf eure Gründung in der Linkspartei und Linksjugend? Gab und gibt es Anfeindungen?

AK Shalom Bamberg: Die Reaktionen fallen da sehr verschieden aus. Anfeindungen gab es schon lange seitens der „Linksjugend ['solid] Bamberg – Antiimperialistische Aktion“. Von anfänglichen Pöbeleien und dem Entfernen unserer Aufkleber (welche sich klar gegen Antisemitismus und für das Existenzrecht Israels aussprachen) führte dies bis dahin, dass sich die ehemalige Basisgruppe spaltete und die Abspaltung, also die „Antiimperialistische Aktion“, sämtliche Passwörter unseres Blogs, der Email- und Facebook-Accounts änderte und eine Person nicht mit zur Winterakademie mitgenommen wurde, obwohl ihr schon fest zugesagt wurde, weil sie sich nicht abgespalten hat und weiterhin im AK Shalom aktiv ist. Oft wurde auch das Lied von Makss Damage „Antideutsche Hurensöhne“ angestimmt.

Der KV DIE LINKE Bamberg/Forchheim hat sich zu unserer Gründung weder negativ noch positiv geäußert, schließt aber eine Zusammenarbeit nicht aus. Zuspruch gab es jedoch auf unserem Facebook-Profil in Form von Likes und Solidaritätsbekundungen. Der LAK Shalom Bayern ist zur Zeit leider etwas inaktiv, wir versuchen diesen aber wieder aufzubauen und freuen uns über jede_n, der sich diesbezüglich mit uns in Kontakt setzen will.

Haskala Bayern: A propos MaKss Damage! Der war ja noch vor zwei Jahren eine Ikone der antiimperialistischen Linken, sein Hass auf Israel, seine sexistischen und gewaltverherrlichenden Texte waren kein Grund, ihn nicht zu Auftritten einzuladen und traf voll den Nerv dieses Lagers. Sein offizieller Übertritt zu den Nazis war eigentlich schon lange überfällig und erfolgte auch prompt 2011. Gab es dahingehend Selbstkritik der „Antiimperialistische Aktion“?

AK Shalom Bamberg: Soweit wir wissen gab es dahingehend keine Selbstkritik.

Haskala Bayern: Man könnte die Band „Die Bandbreite“ als legitime Nachfolger im braunen Geiste MaKss Damage bezeichnen. Es gibt auf Landesebene zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen Unvereinbarkeitsbeschlüsse, so heißt es: „Am 17.11.2012 hat der Landesvorstand zum Thema ‚Die Bandbreite‘ beschlossen: ‚Der Landesverband NRW der Partei DIE LINKE wird sich an Veranstaltungen von Parteigliederungen, auf denen die Duisburger Band ‚Die Bandbreite‘ auftritt, weder finanziell noch inhaltlich oder organisatorisch beteiligen. Der Landesvorstand rät den Gliederungen der Partei davon ab, mit der Band zusammenzuarbeiten.“ Seht ihr es als möglich an, einen solchen Beschluss auch in Bayern herbeizuführen?

AK Shalom Bamberg: Wir begrüßen den Unvereinbarkeitsbeschluss, wie auch den Ausschluss des Sängers der Band „Die Bandbreite“ aus dem Jugendverband „Die Falken“. Ob ein solcher Beschluss auch in Bayern möglich wäre, können wir nicht mit Sicherheit sagen, da von uns niemand Mitglied in der Partei DIE LINKE ist.

Haskala Bayern: Was habt ihr bisher erreicht?

AK Shalom Bamberg: Wir sind gerade dabei, unsere Basisgruppe weiter aufzubauen und wie oben angesprochen den LAK Shalom wiederzubeleben. Konkrete Aktionen sollten aber in naher Zukunft folgen. Es wurde und wird derzeit Infomaterial zu „Dresden nazifrei“ verteilt und plakatiert.

Haskala Bayern: Seht ihr es als Erfolg der Arbeit des BAK Shalom, dass jetzt ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels im neuen Programmentwurf der Linkspartei steht?

AK Shalom Bamberg: Auf jeden Fall! Der BAK Shalom leistet seit seiner Gründung dringend notwendige Aufklärungsarbeit in der Linken und hat viele Diskussionen innerhalb und außerhalb der Linkspartei angestoßen.

Haskala Bayern: Der Antisemitismus in der Linken ist nun weder neu, noch überraschend. Schon Bebel konstatierte, er sei der „Sozialismus der dummen Kerle“ und Friedrich Engels schrieb: „Der Antisemitismus (…) dient nur reaktionären Zwecken unter scheinbar sozialistischem Deckmantel; er ist eine Abart des feudalen Sozialismus, und damit können wir nichts zu schaffen haben.“ Es ist allerdings nahezu aussichtslos, jemanden als Antisemiten zu bezeichnen. Die allermeisten Menschen mit Judenknacks ziehen den Begriff „Israelkritiker“ vor. Auch und gerade in der linken Szene. Wo ist für euch da die Grenze überschritten?

AK Shalom Bamberg: Die Frage ist ja eigentlich schon beantwortet. Beispiele wären die Bezeichnung Israels als „Apartheidsstaat“ oder Aussagen wie „Was die Israelis mit den Palästinensern machen ist doch genau dasselbe, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben.“ Also auch die Relativierung des Holocausts auf allen Ebenen.

Haskala Bayern: Arbeitet ihr mit der außerparteilichen israelsolidarischen Linken in Bayern zusammen? Wenn ja, wie?

AK Shalom Bamberg: Wir versuchen durch die Wiederbelebung des LAK Shalom mit israelsolidarischen Linken in Kontakt zu kommen.

Haskala Bayern: Wie schätzt ihr die augenblickliche Situation der autonomen Szene Bayerns in Hinblick auf die Bewusstwerdung eigener antisemitischer Stereotype sowie regressivem Antikapitalismus ein?

AK Shalom Bamberg: Allgemein hat das Aufkommen der „Antideutschen“ und die Auseinandersetzung mit deren Standpunkten dazu beigetragen, dass in Kreisen der Linken ein Umdenken und eine politische Umorientierung stattgefunden haben. Jedoch führte dies ebenfalls zu einer größeren Spaltung – was wir generell auch nicht ablehnen.

Haskala Bayern: Nun gibt es nicht nur den deutschen Faschismus, es gibt seit vielen Jahren eine sehr aktive Szene der türkischen „Bozkurt“ – Faschisten in Bayern, aktuell wollen auch die griechischen Faschisten der „Morgenröte“ sich nun beispielweise in Nürnberg festsetzen. Auf Demos gegen die Bozkurt beispielweise standen Kurden und Aleviten meist allein da. Die deutsche Zivilgesellschaft und insbesondere die autonome Linke scheuen sich noch, konsequent den Kampf auch gegen diese Antisemiten und Nazis aufzunehmen. Wenn wie vor ein paar Monaten 500 türkische Nazis durch Nürnberg marschieren, werden nur eine Handvoll Gegendemonstranten gezählt. Wo ist die autonome Linke?

AK Shalom Bamberg: Es passt vermutlich vielen Linken und Bürger_innen nicht ins Weltbild, dass es „ausländische“ Faschist_innen gibt, deren Ziele sich von denen der „gewohnten“ Faschist_innen unterscheiden und sich nicht eins zu eins auf das bestehende Stereotyp übertragen lassen.

Haskala Bayern: Was plant ihr für die nähere Zukunft?

AK Shalom Bamberg: Im Moment sind wir dabei, ein Treffen des LAK Shalom zu planen, das vermutlich im März stattfinden wird.

Haskala Bayern: Möchtet ihr noch etwas sagen?

AK Shalom Bamberg: Wir freuen uns über jede_n, der/die mit uns zusammenarbeiten will. Wenn ihr mit uns in Kontakt kommen wollt, schickt einfach eine Mail an linksjugend[at]gmx.de.

Haskala Bayern: Vielen Dank für das Gespräch! ¡No pasarán!

(via)

Tagged as: , , , , , ,

Leave a Reply