„Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus“ – Bericht und Mitschnitt des Vortrags von Daniel Poensgen in Halle an der Saale

By ronvarence • Jan 25th, 2013 • Category: Berichte, Hauptartikel

Bereits im vergangenen Jahr hielt der Berliner Sozialwissenschaftler Daniel Poensgen am 11. Dezember auf Einladung des LAK Shalom Sachsen-Anhalt und des Alternativen Vorlesungsverzeichnis der Universität Halle einen Vortrag, in dem er die gängigen Formen der Kritik am israelbezogenen Antisemitismus kritisch in den Blick nahm und ihnen einen anderen Begriff der antisemitischen Ablehnung des jüdischen Staates entgegensetzte.

Die Frage, warum trotz einer recht weit verbreiteten Kritik am israelbezogenen Antisemitismus diese so völlig wirkungslos verpufft und die immergleichen Diskussionen in verlässlicher Regelmäßigkeit geführt werden müssen, versuchte Poensgen mit einer Darstellung des Zusammenhangs zwischen Antisemitismus und antisemitischer Gesellschaft zu beantworten. Der israelbezogene Antisemitismus sei keine falsche Wahrnehmung Israels, sondern eine verzerrte Wahrnehmung der Gesellschaft, die auf Israel projiziert werde. Dass es nicht an Israel oder israelischer Politik liegt, dass der jüdische Staat gehasst wird, werde aber auch von Teilen der israelsolidarischen Linken häufig nicht erkannt.

Poensgen ging in seinem Vortrag näher auf den Bericht der Expertenkommission des Deutschen Bundestages zum Antisemitismus ein, kritisierte aber auch Interventionen gegen das Gedicht von Günter Grass und den „3D-Test“ von Natan Sharansky, der versucht, Antisemitismus positiv von „legitimier Kritik“ an Israel zu unterscheiden. Im Vortrag wurde hingegen festgehalten, dass die Bestimmung des israelbezogenen Antisemitismus als Antizionismus oder sekundärem Antisemitismus an dessen Kern vorbeiginge, da er längst in Form der Israelkritik zur Alltagsreligion geworden sei. Als solche gäbe sie den Individuen in einer Welt, in der sie sich nicht zurechtfinden, Orientierung und Halt, ermöglichen ihnen, dem Gefühl der eigenen Überflüssigkeit und Machtlosigkeit zu entkommen und zumindest in der Phantasie den aufgezwungenen Gewaltverzicht rückgängig zu machen. Als vier zentrale Elemente des israelbezogenen Antisemitismus wurden neben klassischem Antisemitismus auch seine sekundäre Form sowie Antiimperialismus und regressive Staatskritik bestimmt.

[Download: Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den Israelbezogenen Antisemitismus]

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