Vortrag in Halle an der Saale am 11. Dezember: Mit der 3D-Brille gegen Antizionismus? Kritik der Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus

By • Nov 30th, 2012 • Category: Hauptartikel, Termine

Ohne die Kritik seiner israelbezogenen Spielart lässt sich Antisemitismus nicht mehr treffend kritisieren. Der jüdische Staat ist auch in Deutschland das bevorzugte Objekt von Antisemiten, um endlich das sagen zu können, was sie sich über die Juden nicht einmal mehr zu denken trauen.

Das hat sich längst rumgesprochen: Vom Antisemitismusbericht der Bundesregierung, über Frank Schirrmacher in der FAZ bis hin zu Stellungnahmen von Antifa-Gruppen quer durch die Republik – die Kritik des israelbezogenen Antisemitismus ist längst in aller Munde.

So schreibt der Expertenkreis der Bundesregierung: „Der antizionistische Antisemitismus tritt unter dem Deckmantel einer Ablehnung der Innen- und Außenpolitik des Staates Israel auf, der im Kern aus einer besonderen ideologischen Verzerrung und pauschalen Diffamierung des jüdischen Staates besteht, die sich zugleich traditioneller antisemitischer Stereotype bedient…“. Frank Schirrmacher hält in seiner Analyse der Täter-Opfer-Umkehr bei Grass daran fest, „Israel gefährdet den Weltfrieden“ sei eine „Einzelthese“. Die Antifa hingegen ist ungewollt mit Joachim Gauck in ihrer Israelsolidarität verbunden – beide können den jüdischen Staat nur von seinem Ende her denken. In der linken Version heißt das: „Israel bis zum Kommunismus“.

Doch alle Mühe ist ohnehin vergebens. Es braucht nur einen nichtigen Anlass, ein mieses Gedicht oder einen provinziellen Preis und der antisemitische Hass auf Israel bricht sich nicht nur in Leserbriefen Bahn. Die gängige Kritik am israelbezogenen Antisemitismus kann dies nicht sehen, versucht sie ihn doch lediglich als Antizionismus oder sekundären Antisemitismus zu begreifen, der höchstens ressentimentgeladen auf israelische Politik reagiere und den man entweder mit Seminaren zum Nahost-Konflikt oder den Sprachregelungen des 3D-Tests von Nathan Sharansky bekämpfen könne.

Kritik des Antisemitismus muss jedoch immer auch Kritik der antisemitischen Gesellschaft sein, Antisemtismus also als wahnhafte Projektion bestimmter Aspekte der kapitalistischen Totalität auf den Juden zu begreifen versuchen. In diesem Sinne will der Vortrag aus der Kritik der falschen Interventionen gegen den israelbezogenen Antisemitismus heraus einige seiner Elemente genauer beleuchten.

Über den Referenten:

Daniel Poensgen (Berlin) ist Sozialwissenschaftler. Von ihm ist zuletzt erschienen: „Souveränität und Wahn. Über die Debatte um Günter Grass und die Notwendigkeit einer staatstheoretischen Perspektive auf den gegenwärtigen Antisemitismus“, in Phase 2.43/2012.

Wo?
Melanchthonianum der Universität Halle – Universitätsplatz 8/9, 06099 Halle (Saale)

Wann?
11.12.2012 – 18.30 Uhr

Die Veranstaltung wird organisiert vom Landesarbeitskreis (LAK) Shalom Sachsen-Anhalt und findet im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnisses des Studierendenrates der Universität Halle und der Aktionswochen gegen Antisemitismus statt.

Hier findet ihr das Event auf Facebook.

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