Vortrag in Berlin: Antiamerikanismus – Zur Geschichte eines europäischen Ressentiments und dem ambivalenten Verhältnis der Linken zu den Vereinigten Staaten von Amerika

By ronvarence • Aug 5th, 2012 • Category: Hauptartikel

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind bis heute eine terra incognita im europäischen Bewusstsein. Der Hass auf die moderne Gesellschaft mit all ihren positiven wie negativen Begleiterscheinungen ist meist mit einem starken Antiamerikanismus verbunden. Historisch war Amerika jedoch oftmals der einzige Fluchtpunkt für politisch Verfolgte in Europa. Für Millionen Einwanderer, die vor einer desperaten sozialen Situation flohen, bot es die Möglichkeit eines Neuanfangs. Nicht zuletzt aufgrund der bis heute anhaltenden Immigration haben sich spezifische politische Strukturen herausgebildet, die Amerika als Nationalstaat von den europäischen unterscheidet. Hierzu gehört zum Beispiel ein inklusives Verständnis der Staatsbürgerschaft, das immer wieder neu aushandeln muss, was es bedeutet „Amerikaner zu sein“. Amerika hat sich zur bürgerlichen Gesellschaft par excellence entwickelt.

Mit dem Wissen um diese Besonderheit soll im Vortrag die Geschichte und ideologische Konstitution der Feindschaft gegen Amerika nachgezeichnet und hierbei der Schwerpunkt auf die Haltung der Linken gelegt werden. Diese war historisch keineswegs so eindeutig, wie es heutzutage scheint: So vertraten viele deutsche Revolutionäre im 19. Jahrhundert eine dezidiert pro-amerikanische Haltung und einige forderten gar den Einmarsch amerikanischer Truppen in Europa, um die feudalen Verhältnisse ein für allemal auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern.

Darüber hinaus soll am Beispiel der jüdischen Einwanderung die Debatte zwischen den beiden Polen Melting Pot (Israel Zangwill) und Cultural Pluralism (Horace Kallen) dargelegt werden, die für die aktuellen Diskussionen in Europa über Migration, Integration und Assimilation hohen Erkenntniswert besitzt.

Der Referent Sebastian Voigt promoviert an der Universität Leipzig. Er hat vielfältig zu Themen wie Antisemitismus und Antizionismus sowie der Geschichte der französischen Linken publiziert. Außerdem ist er Verfasser des Buches „Die Dialektik von Einheit und Differenz. Über Ursprung und Geltung des Pluralismusprinzips in den Vereinigten Staaten von Amerika.“, Berlin 2007.

10. August | 19 Uhr | Rosa-Luxemburg-Saal im Karl-Liebknecht-Haus | Kleine Alexanderstraße 28 | U-Bahnstation Rosa-Luxemburg-Platz | Berlin

Eine Veranstaltung des Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend Solid. Die Veranstaltung ist Teil der Mobilisierung gegen den diesjährigen „Al Quds“-Tag am 18. August in Berlin. Weitere Info- und Mobiveranstaltungen findet ihr hier.

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