Warum djihadistisch nicht das neue schwul sein sollte – Bericht und Mitschnitt vom Vortrag mit Floris Biskamp

By ronvarence • Jul 19th, 2012 • Category: Berichte, Hauptartikel

Am 13. Juli referierte Floris Biskamp in Berlin zur Frage ‚Ist djihadistisch das neue schwul?‘ und setzte sich mit den Aporien des Konzeptes vom sogenannten Homonationalismus auseinander, das vor allem Judith Butler und Jaspir Puar vertreten. Mit dem Begriff solle ausgedrückt werden, dass die zunehmende Anerkennung von Homosexualität in westlichen Ländern zu neuen Ausgrenzungsmechanismen geführt habe – beispielsweise gegen queere People of Colour.

Zwar sei diese These durchaus eine Überlegung wert, wie Biskamp festhält, doch würden einige queere Theoretiker*innen daraus die falschen Schlüsse ziehen. So plädiere Puar sogar dafür, Selbstmordattentäter*innen durch eine queere Lesart zu Bündispartner*innen gegen das noch immer vorhandene Ausschließen „des Anderen“ zu gewinnen, da diese nach den Terroranschlägen von 9/11 die vormals von Homosexuellen eingenommene Rolle des als pervers empfundenen Anderen übernommen hätten. Daraus ableitend stigmatisiere Puar jede Kritik an gesellschaftlichen Zuständen in islamisch geprägten Ländern als islamfeindlich, so Biskamp. Dieser Pauschalisierung stehe eine andere gegenüber: So gäbe es in Israel nur deshalb eine vergleichsweise homosexuellenfreundliche Politik, weil dadurch lediglich die Besatzung von Palästinenser*innen verschleiert würde – Israel also sogenanntes „Pinkwashing“ betreibe.

Die Wahrnehmung von Queers of Colour, rassistisch behandelt zu werden, gelte als Beleg für Rassismus. Die Wahrnehmung von Israelis hingegen, sich bedroht zu fühlen, gelte jedoch nicht als legitim – vielmehr artikulierten sich darin paranoide Komplexe. Die Kritik am Othering ende damit am Othering am Judenstaat, wie Biskamp konstatiert. Statt sich polemisch auf muslimische Homophobie einerseits oder rassistischen Homonationalismus andererseits zu fixieren, gelte es beide Probleme anzuerkennen und die Grenzen zwischen Kritik und Rassismus auszuhandeln. Hierzu zähle auch, eine Begrifflichkeit von Emanzipation zu entwickeln, anstatt sich pauschal mit allem Ausgestoßenen zu solidarisieren, wie Biskamp ausführt.

[Download: Ist djihadistisch das neue schwul?]

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