Die Auseinandersetzung um Antisemitismus in der Linkspartei steht noch aus!

By stfn • Dec 1st, 2011 • Category: DIE LINKE, Hauptartikel

Bericht und Mitschnitt der Podiumsdiskussion über Antisemitismus in der Linkspartei

DIE LINKE hat ein Problem mit Antisemitinnen und Antisemiten, diese sind innerhalb der Partei jedoch nicht hegemonial. So lautet das Fazit der Podiumsdiskussion mit Klaus Lederer (Vorsitzender DIE LINKE Berlin, MdA), Katharina König (MdL, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion in Thüringen) und Mario Keßler (Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) vom 25.11.2011 im Rosa-Luxemburg-Saal des Karl-Liebknecht-Hauses in Berlin, moderiert von Lena Kreck und Stefan Gerbing (beide Redaktion prager frühling). Rund 80 Zuhörende kamen zur Veranstaltung.

Eingeladen zur Diskussion hatte der LAK Shalom Berlin, um die Situation innerhalb der Linkspartei hinsichtlich der latent vorhandenen Israelfeindschaft nach der im Frühjahr erschienenen Studie von Samuel Salzborn und Sebastian Voigt und dem Programmparteitag im Herbst zu debattieren. Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren sich darin einig, dass antisemitisch motivierte Israelfeindschaft dem eigenen Anspruch der Partei zuwider laufe. Stattdessen müsse DIE LINKE ihre Fähigkeiten zum Differenzieren stärken, um die antizionistischen Traditionslinien aus der ehemaligen DDR-Doktrin einerseits und dem westdeutschen APO-Antiimperialismus andererseits aufzuarbeiten. Gestritten wurde darüber, wie die Sensibilität für diese Aufarbeitung gestärkt und wie effektiv Antisemitismus als solcher kenntlich gemacht werden könne.

Das vergangene halbe Jahr, so die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer, habe verdeutlicht, dass in zunehmendem Maß Bereitschaft hierfür bestehe. Nichtsdestotrotz betonte Klaus Lederer, dass allein mit Parteibeschlüssen dem Problem des Antisemitismus nicht begegnet werden könne. Die Debatte müsse offensiv weitergeführt werden, um die gesamte Partei auf das Problem aufmerksam zu machen. Katharina König unterstich, dass als Ultima Ratio auch Parteiausschlüsse notwendig seien, um sich eindeutig von regressiven Kräften zu trennen. Mario Keßler unterstich die besondere Bedeutung Israels. So sei der Antizionismus höchst ahistorisch, weil er den Vernichtungsantisemitismus ignoriere, um an der Ablehnung des jüdischen Staates festzuhalten. Dies dürfe eine moderne und geschichtsbewusste Partei nicht zulassen.

[Download: DIE LINKE ein halbes Jahr nach der Antisemitismusdebatte – Ist das Glas halb leer oder halb voll?]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

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One Response »

  1. [...] (LAK) Shalom Sachsen an den Antisemitismusbeschlüssen im Sommer 2011 und unsere Podiumsdiskussion „DIE LINKE ein halbes Jahr nach der Antisemitismusdebatte – Ist das Glas halb leer oder halb vo… mit Dr. Klaus Lederer, Prof. Dr. Mario Keßler und Katharina König im November [...]

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