Bericht und Audiomitschnitt des Vortrags “Ob du wirklich richtig stehst… – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position”

By ManualskaTayse • Oct 10th, 2011 • Category: Berichte

Am 28.09.2011 referierte Magnus Henning von der HUmmel Antifa in der Berliner Tristeza über eine mögliche linke Positionierung zum Islam. Organisiert wurde die Veranstaltung vom LAK Shalom Brandenburg mit Unterstützung von DIKA e.V.

Die Veranstaltung knüpfte an Floris Biskamps Vortrag Feindbild Islam? vom Anfang dieses Jahres an. Dieser machte ein in der Gesellschaft stärker werdendes Ressentiment gegenüber MuslimInnen aus, betonte aber zugleich, dass Kritik und Ressentiment nicht immer klar voneinander zu unterscheiden sind.

Hier setzte Magnus Henning an und erklärte, dass es durchaus klare Merkmale gibt, um einen Unterschied zu erkennen: So zielt das Ressentiment darauf ab, Menschen über Kategorien wie Ethnie oder Religion bestimmte unveränderliche Eigenschaften oder Meinungen zuzuschreiben. Die Kritik hingegen ermöglicht es den Kritisierten, sich zu ihr zu verhalten. „Entweder zielen die Argumente auf den unterdrückerischen Charakter der islamischen Ideologie oder alles, was da über den Islam zusammengetragen wird, verdichtet sich zu einer ethnopluralistischen Argumentation gegen die Migration“, so Henning.

RechtspopulistInnen als IslamkritikerInnen zu bezeichnen, ist demzufolge falsch. Ihnen geht es nicht darum, sich dem politischen Islam entgegen zu stellen. Stattdessen zielen sie lediglich darauf ab, die eigene Volksgemeinschaft vor der Überfremdung zu bewahren: „Wenn der Islam von diesen Leuten herangezogen wird, geht es darum, vor der Islamisierung zu warnen, also vor der Übernahme Europas durch fremde Mächte, nicht um die Ablehnung einer regressiven gesellschaftlichen Praxis“, erörterte Henning.

Doch nicht nur RechtspopulistInnen wurden der Kritik unterzogen. Auch innerhalb der Linken gibt es ein positives Ressentiment gegen den Islam. Hierbei werden die AnhängerInnen des Islams pauschal unter besonderen Schutz genommen, da sie sich angeblich einem westlich-hegemonialen Diskurs ausgesetzt sähen. So sei die Kritik an verbreiteten rückschrittlichen Praktiken im muslimischen Glauben immer mit Rassismus verbunden, da lediglich die Aufklärung gegen die Werte des Islams in Stellung gebracht würden. „Bei denen, die die Werte der Aufklärung als eurozentrisch denunzieren, kann es nur um Dekonstruktion gehen, die keine Richtung kennt. Sie ist demnach nicht mehr als bloße Denkübung. Man mag vielleicht die Werte der Aufklärung als gedankliches Konstrukt entlarven, das hegemonial geworden ist, aber damit ist noch nichts gewonnen. Es muss im Sinne der Kritischen Theorie darum gehen, die schlechte Vermittlung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft zu kritisieren und durch eine bessere ersetzen zu wollen. Unter postmodernen DekonstrukteurInnen ist es jedoch eher en vogue die Differance durch wahllose Zertrümmerung durchzusetzen, ohne sich die Frage nach Sinn und Unsinn zu stellen“, sagte Henning in diesem Zusammenhang und erwähnte positiv die Revolutionäre in Tunesien, die sich Laizismus und Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben. So meinte Henning, dass das Problematische an der Aufklärung und der Moderne nicht ist, dass sie zuerst in Europa entstanden, sondern dass ihre Werte lange Zeit anderen Menschen vorenthalten wurden.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem über die Wirkmächtigkeit islamischer Ideologie gestritten. Während Magnus Henning die Position vertrat, dass die Chance für eine Öffnung des Islams durch liberale oder säkulare Kräfte eher gering ist, argumentierten viele ZuhörerInnen, dass nicht die Verbreitung regressiver Glaubenspraktiken ursächlich für Islamismus ist, sondern generell die soziale und politische Stagnationen in den muslimisch geprägten Ländern.

[Download: Ob du wirklich richtig stehst... – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position]

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