Antisemitismus in der LINKEN: Alter Wein in neuen Schläuchen

By ProIsrael • Jun 24th, 2011 • Category: Pressespiegel

Am 21. Juni 2011 diskutierten der Historiker Thomas Haury, Stefan Kunath, Gründungsmitglied des BAK Shalom, und Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, über Antisemitismus in der Partei Die LINKE.

„In der DDR habe ich sehr früh mitbekommen, dass es gut war, sich zur Frage. Ob man jüdisch ist, bedeckt zu halten“, leitete Anetta Kahane, Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, die Veranstaltung „Renaissance eines Antisemitismus von links?“ am 21. Juni 2011 ein. Zieht sich derselbe israelbezogene Antisemitismus der DDR bis heute in der Partei die LINKE fort oder ist es ein neues Phänomen, über das gesprochen werden muss? Diese Frage stellte Podiumsgast Thomas Haury, Historiker und Experte auf dem Gebiet.

„Die ‚Guten‘ können eben nicht ‚böse‘ sein“

„Nein, vordergründig begegnen wir dem allbekannten Antisemitismus“, beantwortete Haury die Frage. „Linke Positionierungen finden immer eindeutig auf Seiten der Opfer statt. Und die ‚Guten‘ können dann eben nicht ‚böse‘ sein“, so Haury weiter. Bezogen auf den Nahost-Konflikt positioniere man sich dann eindeutig auf Seiten der Palästinenserinnen und Palästinenser, ohne zu schauen, mit wem man sich da eigentlich zusammenschließe. „Dann wird die Hamas auf einmal zur Befreiungsbewegung“, sagt Haury. Dieses manichäische Weltbild kennzeichne den Antisemitismus schon immer und ist auch heute prägend. Dennoch sei der Antisemitismus in der LINKEN „alter Wein in neuen Schläuchen“. Die politische Weltlage sei eine andere als in den 1970ern. Vor allem aber gebe es auch eine starke innerlinke Kritik am Antisemitismus, die dazu geführt habe, dass das „harte antiimperialistische Vokabular weichgespült“ wurde. Man suche sich mittlerweile Jüdinnen und Juden, die das sagen, was man selbst sagen möchte, um sich dann dahinter verstecken zu können.

Antisemitismus als Problem muss auf die Prioritätenliste

Für eben jene innerlinke Kritik am Antisemitismus saß Stefan Kunath, Gründungsmitglied des BAK Shalom und Sprecher des AK Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung, auf dem Podium. „Es gibt keinen antizionistischen Konsens in der LINKEN“, betonte Kunath. Das sehe man auch an Parteimitgliedern wie Petra Pau, Angelika Timm oder Gregor Gysi. Wobei Haury die teilweise schizophrenen Äußerungen Gregor Gysis zu bedenken gab. Aber man habe es mit Strömungskonflikten zu tun; diejenigen, die Antizionismus kritisieren, würden innerhalb der Partei als „Reformer“ bezeichnet, so Kunath. Zudem sei die LINKE in einer Hochphase des Parteibildungsprozesses. Es sei deshalb umso wichtiger, dass Antisemitismus „auf die oberste Prioritätenliste der Parteiführung kommt, als auch von der Basis her thematisiert werde.“ Nur so könne man dem Problem beikommen. Die Angst vor einer Parteispaltung dürfe das Problem nicht überlagern, so Kunath. „Es braucht außerdem Druck von Bündnispartnern und eine Bildungsarbeit – gerade auch von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.“

Nicht nur in der LINKEN

Aus dem Publikum heraus kam der Wunsch nach mehr Intervention in diese Parteikonflikte. Das bestätigte Kunath und hoffte: „Wenn die Kritik von innen kommt, wird sie auch anders wahrgenommen.“ „Je länger die Partei die Diskussion deckelt, desto gefährlicher wird es für sie“, bestärkte Haury den Wunsch des Publikums. Die neuen Schläuche des alten Antisemitismus führen nämlich auch dazu, dass Antisemitismus aus Milieus herauskommt, von denen man ihn früher nicht erwartete, sagte Kahane, „das macht mir große Sorgen.“ „Es stimmen etwa 50 Prozent der Aussage ‚Was Israel heute mit den Palästinensern macht, haben die Nazis damals mit den Juden gemacht‘ zu“, bestärkte Haury dies. Jan Riebe, Koordinator des Projekts gegen israelbezogenen Antisemitismus in der Amadeu Antonio Stiftung, betont: „Zu beachten ist, dass Viele, die sich jetzt über Antisemitismus aufregen, es eigentlich nur um die Linkspartei geht. Antisemitismus ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wenn es nicht auch so diskutiert wird, ist die Debatte verlogen.“

Von Nora Winter
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/antisemitismus-in-der-linken/

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