Heimspiel für Robert Kurz in Erlangen

By stfn • Oct 10th, 2010 • Category: Berichte

Mehr als 150 BesucherInnen saßen dichtgedrängt im großen Saal des Dreycedernhauses, als der Nürnberger Publizist Robert Kurz seinen Vortrag über “Israel und die Linke” hielt. Einige Interessenten mussten im Eingangsbereich stehen, weil kein Platz mehr vorhanden war. Die Moderation übernahm Dieter Stolpe, Kreisvorsitzender der Erlanger Linkspartei bis 2008. Robert Kurz schlug in seinem Referat eine großen Bogen von der Geschichte der Judenverfolgung bis hin zum modernen Antisemitismus und verband das mit einer dezidierten Kapitalismusanalyse.

Es gebe nun offenbar einen Skandal, der größer ist als Unterdrückung, Krieg und Gewalt schlechthin, nämlich den Skandal der Existenz Israels als schwer bewaffneter Macht. Man habe sich über Jahrhunderte daran gewöhnt, dass Jüdinnen und Juden nackt und wehrlos auf ihren Abtransport warten. Dass es nun aber Jüdinnen und Juden sind, die ihre Feinde bombardieren und aus Panzerkanonen beschießen, erzeuge anscheinend eine andere Qualität des moralischen Ekels, die sich weit vor jeder historischen Einordnung des Konflikts manifestiere.

„Die Kurden haben das Pech, dass sie nicht von Israel unterdrückt werden“, so Kurz. Genauer könne man die einseitige Beurteilung israelischer Politik durch die Weltöffentlichkeit nicht auf den Punkt bringen. Viel Beifall brachte seine Forderung nach Israelsolidarität, gerade unter den Linken.

“Der Nahost-Konflikt steht stellvertretend für den unausgegorenen Selbstwiderspruch einer Linken, die ihrer Verunsicherung nicht auf den Grund gehen will und insgesamt von der stets verleugneten Krisendynamik überrollt wird. Linke Ideologie projiziert in die Machtgebilde von Hamas und Hisbollah krampfhaft eine „soziale“ Qualität hinein; bis hin zu Äußerungen, die in der Hamas wählenden Bevölkerung von Gaza oder in dem Regime selbst sogar die „Pariser Kommune“ wiedererkennen wollen. Mehr Verblendung ist kaum denkbar; aber die historischen Analogieschlüsse werden umso hemmungsloser, je mehr sie gefühlsmäßig auf die Ausweglosigkeit des eigenen Denkmusters reagieren.” so Kurz.

So werde die Situation von Millionen palästinensischer Flüchtlingen in den Lagern der arabischen “Brudervölker” nicht zur Kenntnis genommen. Teilweise schon in dritter Generation werden ihnen Staatsbürgerschaft, Berufsausbildung, Arbeitserlaubnis und Reisefreiheit verwehrt. Statt dessen werden sie auf eine “Rückkehr” konditioniert in ein Land, das viele von ihnen noch nie gesehen haben. In der anschließenden spannenden und kontroversen Diskussion kochten die Emotionen teilweise recht hoch.

Frank Heinze, Stadtrat der Erlanger Linken abschließend im Namen der Veranstalter: “Wir sind überwältigt vom Interesse an diesem sehr speziellen Thema. Ganz große Klasse, wie Robert Kurz es in der kurzen Zeit von zweieinhalb Stunden geschafft hat, dieses komplexe Thema verständlich abzuhandeln. Es muss gerade bei uns Linken offen diskutiert werden können, warum Linke sich handgemein machen mit religiösen Fundamentalisten und zumindest billigend in Kauf nehmen, Terrororganisationen wie Hamas zu unterstützen und damit die Existenz Israels und der Juden gefährden.” Weitere Veranstaltungen zu diesem Thema sind in Planung.

Veranstaltungsfyler (*pdf)

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2 Responses »

  1. [...] BAK Shalom, haolam.de (im Wesentlichen kopiert vom BAK) * »Der Krieg gegen die Juden. Warum sich die globale [...]

  2. [...] Vortrag des Wertkritikers Robert Kurz („Schwarzbuch des Kapitalismus“), der sich dem Thema „Israel und die Linke“ [...]

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