Weiterbildungsangebote des BAK Shalom – Jetzt anmelden!

By • Oct 6th, 2009 • Category: Hauptartikel, Termine

In den kommenden Wochen bietet der BAK Shalom verschiedenste Angebote an, um einen Einblick in die Thematik des Antisemitismus zu finden und/oder diesen zu vertiefen. Das Angebot richtet sich daher an politische Neueinsteiger_innen ohne Vorkenntnisse sowie an politisch Aktive, die im Rahmen ihrer Arbeit ihre Multiplikator_innenkenntnisse vertiefen wollen.
Die Bildungsangebote sind der Abschluss unserer erfolgreichen Arbeit im Jahr 2009.

Zwischen allen Stühlen – Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer
Filmvorführung und Gespräch, 13.11.09, 19 Uhr im Karl-Liebknecht-Haus, Berlin

1938 flüchtet Karl Pfeifer als Zehnjähriger mit seiner Familie aus Österreich, zunächst nach Ungarn. Vier Jahre später erreicht er Palästina mit einem der letzten Kindertransporte des Hashomer Hatzair. Er lebt im Kibbuz, kämpft im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Österreich zurück.

„In Österreich angekommen musste ich bei der Staatspolizei vorsprechen… Heimkehrer seien in Österreich nur die, die in der Wehrmacht bzw. in der Waffen SS gedient haben.“

Der Film begleitet Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Orte, an denen er seine politischen Einstellungen schärfte. Seinen Lebenswegen zu folgen bedeutet jedoch auch den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus zu folgen.

Filmrezension in MALMOE 43/2008 (Sylvia Köchl)
http://www.antisemitismusforschung.net/film/koechl.htm
Besprechung in Jungle World 9/2009 (Birgit Schmidt)
http://jungle-world.com/artikel/2009/09/32756.html

Antisemitismus & Antiamerikanismus in DDR und BRD
Wochenendseminar, kostenpflichtig, 6.-8.11.09, Hüll

DDR und BRD gingen unterschiedliche Wege, bauen aber auf eine gemeinsame Geschichte auf. Zu dieser gehört auch die industriell organisierte Judenverfolgung bis 1945. Die Aufarbeitung dieser Verbrechen sah in beiden Staaten sehr unterschiedlich aus. So definierte sich etwa die DDR als antifaschistischer Staat und sah es dennoch nicht als seine Aufgabe, Opfer der NS-Diktatur zu entschädigen, weil sich die DDR nicht als NS-Nachfolgestaat betrachtete. Während Antisemitismus, wie im „Slansky-Prozess“ 1952 nur selten offen zu Tage trat, waren Antizionismus und Antiamerikanismus in der DDR Staatsräson. Spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967 nahm die DDR eine offen antiisraelische Haltung ein. Denn der Zionismus galt als ein Stellvertreter des Imperialismus. Die politische Realität, wie die nachdrückliche Unterstützung der UN-Resolution vom November 1975, dass der Zionismus eine Form des Rassismus sei, oder etwa die im November 1988 erfolgte Anerkennung eines Staates Palästina, dokumentierten den antiisraelischen Kurs. „Der Antifaschismus wurde nationalistisch-patriotisch aufgeladen und diente hauptsächlich dazu, den vermeintlichen Faschismus in Westdeutschland oder in den Vereinigten Staaten von Amerika zu denunzieren. Die Veränderung steht andererseits im Kontext einer Entwicklung, die sich im gesamten Ostblock vollzog.“

Auch in Westdeutschland stellte sich Antizionismus als „ehrbarer Antisemitismus“ (Jean Améry) der Linken dar. Israel wurde als Fremdkörper im Nahen Osten und als „Brückenkopf des US-Imperialismus“ betrachtet. Linke Terrorist_innen aus der BRD ließen sich gemeinsam mit Neonazis in Trainingscamps der PLO ausbilden. Die Opfer der Shoa wurden zu Täter_innen deklariert. Der Fokus der politischen Auseinandersetzung verlagerte sich von einer Verurteilung des Nationalsozialismus dahin ,Amerika und Israel als Feindbilder aufzubauen.

Das Seminar setzt sich unter Berücksichtigung einer historischen Perspektive auf ost- und westdeutsche Geschichte mit den Wurzeln von Antisemitismus und Antiamerikanismus auseinander. Darauf aufbauend sollen aktuelle Beispiele für Antiamerikanismus in einer angeleiteten Internetrecherche ausfindig gemacht werden und die Auswirkungen des außerparlamentarischen Antizionismus und des Staats-Antiamerikanismus der DDR auf aktuelle gesellschaftliche Weltbilder und politische Strukturen diskutiert werden.

Die Debatten um den parteiübergreifenden Antrag zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der Reichspogromnacht in diesem Jahr (2008) zeigen, dass auch 20 Jahre nach der Wende der unterschiedliche Umgang mit Geschichte und Realpolitik in BRD und DDR wirkmächtig ist.

Dieses Seminar richtet sich vorwiegend an Multiplikator_innen der Jugendarbeit und zielt darauf ab, geschichtlich-politisches Wissen zu erweitern und für die praktisches gesellschaftliches Engagement nutzbar zu machen.

Es muss sich für eine Teilnahme am Seminar angemeldet werden. Formular und weitere Informationen hier!

Linke gegen Antisemitismus von links
Wochenendsemiar, kostenpflichtig, 20.-21.11.09, Berlin

Vor dem Hintergrund der Geschichte gehört es, zumal in Deutschland, zu den Grundüberzeugungen jeden linken Selbstverständnisses NICHT antisemitisch zu sein.

Auch deshalb wiegt (und trifft) der Vorwurf des Antisemitismus in der Linken (oder auch in der LINKEN) so schwer. Im politischen Alltag führt dies oft eher zu Abwehrreaktionen als zu einer Reflexion der eigenen Überzeugungen und Praxis.

Auch wenn der Antisemitismusvorwurf im Einzelfall unberechtigt oder funktionalisiert sein mag – es hat auch in der Linken, aktuell und historisch, immer wieder Antisemitismus oder dem Antisemitismus anschlussfähige Argumentationsmuster gegeben. Nicht alle sind und waren den AkteurInnen selbst als antisemitisch bewusst.

Ziel des Seminars ist es, solche Argumentationen kennen und erkennen zu lernen, um sie politisch zu bekämpfen und in der eigenen Praxis zu vermeiden.
Dazu werden wir uns zunächst mit der Frage beschäftigen, was Antisemitismus eigentlich ist und was er mit uns persönlich zu tun hat.
Anschließend soll es um die Frage der historischen und strukturellen Verankerung von Antisemitismus in linken Bewegungen und Parteien gehen; um das Verhältnis zum Zionismus und um die immer wieder gestellte Frage nach der Legitimität von Kritik an Israel. Außerdem werden problematische Formen von Kapitalismuskritik und ihre potentielle Nähe zum Antisemitismus thematisiert.

Je nach Interesse der Teilnehmenden ist es möglich für den zweiten Tag Themenschwerpunkte zu setzen. Dabei ist auch eine dezidiertere Auseinandersetzung mit Antisemitismus im Realsozialismus und mit seinem Erbe möglich. Sollte es im Vorfeld bereits entsprechende Wünsche nach bestimmten Schwerpunkten geben, so bitten wir um rechtzeitige Mitteilung.

Referentinnen: Sina Arnold, Hanne Thoma

Das Seminar findet von Freitag, 20.11.2009 von 13.00-20.00 Uhr & Samstag, 21.11.2009 von 11.00-20.00 Uhr in Berlin statt. Um die Kosten zu decken, muss eine Eigenbeteiligung von 10 Euro entrichtet werden.

Anmeldung und weitere Informationen unter mail[at]bak-shalom.de

Flyer (vorne)
Flyer (hinten)

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