BAK Shalom zum Streit über »antideutsche« Programminhalte auf der RLS-Ferienakademie

By Milch&Honig • Jul 20th, 2009 • Category: Hauptartikel, Standpunkte

Stellungnahme des BAK Shalom der Linksjugend [‘solid] zum Streit über »antideutsche« Programminhalte auf der RLS-Ferienakademie | 20.07.2009

Wir, die Mitglieder des Bundesarbeitskreises Shalom, sind beunruhigt über die Art und Weise wie einige Stipendiat_innen der Rosa Luxemburg Stiftung in ihrem Aufruf anlässlich des Programms der Ferienakademie 2009 politische Positionen eingeladener Referenten, ehemaliger Stipendiaten, den BAK Shalom und anderer Gruppen ohne jeden Nachweis, ohne jede Argumentation - wie sie Stipendiat_innen gerade der RLS würdig und angemessen wäre – diffamieren und undifferenziert miteinander vermengen. Diese Vorgehensweise, die auch vor geschmackloser Verleumdung der drei Referenten Stephan Grigat, Thomas von der Osten-Sacken und Sebastian Voigt unter anderem als Rassisten nicht Halt macht, ist nicht hinnehmbar. In dem Aufruf werden angebliche Behauptungen des BAK Shalom mit anderen zusammengeschusterten und herbei gelogenen Unterstellungen aneinandergereiht, die in keinerlei Bezug zu unserem Grundsatzdokument oder anderen Positionierungen stehen.

Dass der BAK Shalom mit anderen, völlig unterschiedlichen Gruppen zusammen genannt wird, verweist auf die grobe Unkenntnis der Verfasser_innen des Aufrufs, da inhaltliche Differenzen verdeckt werden. Alles, was irgendwie mit dem Kampfbegriff „antideutsch“ diffamiert werden kann, wird in einen Topf geworfen. Nirgends ist erkennbar, welche Aussage von wem stammt – noch was die Quelle einer untergeschobenen Aussage ist. Ein wissenschaftlicher Anspruch, den wir bei Stipentiat_innen der RLS voraussetzen, ist bei diesem Verhalten nicht zu erkennen. Zudem stellen wir verwundert fest, dass in dem gesamten Aufruf an keiner Stelle angezeigt wird, dass jemals seitens der Kritiker_innen der Versuch unternommen wurde, sich an der inhaltlichen Gestaltung der Ferienakademie zu beteiligen oder noch zu Beginn des Organisationsprozesses kritisierend und konstruktiv zu wirken. Wenn es Anlass zu Sorge gab, dass das Programm zu einseitig gerät, warum hat man nicht früher überlegt, das Programm zu ergänzen und zu erweitern? Zudem muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass die drei besagten Veranstaltungen lediglich einen geringen Teil des angebotenen Programms ausmachen. An konstruktiver und solidarischer Arbeit ist offenbar keine der Aufrufer_innen interessiert gewesen. Stattdessen wird die Ausladung der Referenten gefordert. Gewünschte Pluralität der Meinungen ist so jedenfalls nicht möglich, zumal Meinungsvielfalt auch dann in der RLS oder der Linken auszuhalten ist. Insofern ist es eine Unverfrorenheit, nur aufgrund der numerischen Verhältnisse die Ausladung der Referenten zu verlangen. Des Weiteren sind zwei der geladenen Referenten ehemalige Stipendiaten der RLS. Die Unterstellung rassistischer Positionen gegenüber den Referenten ist eine Unverschämtheit, die an Rufschädigung grenzt und von der RLS nicht mit Schweigen beantwortet werden darf.

Im Aufruf wird schlicht suggeriert, dass die politischen Positionen der drei Referenten linken und emanzipatorischen Vorstellungen entgegen stünden, ohne dass mitgeteilt wird, auf welche Positionen sich konkret bezogen wird und, weshalb diese unbenannten Positionen nicht linksemanzipatorisch seien. Jedoch ist es gerade das Anliegen der Ferienakademie 2009, einen Rahmen zu bilden für grundlegende, offene Diskussionen um emanzipatorische Politik und Gesellschaftsanalyse.
Der Aufruf macht dabei leider nur eines deutlich: die Verfasser_innen streben mit den Mitteln von Repression, Verbot und Ausschluss die Unterdrückung schwieriger Debatten über Themen wie linken Antisemitismus und Konflikte im Nahen und Mittleren Osten an und laufen so selbst jeglicher Emanzipation und einer ihr angemessenen Debattenkultur zuwider.

Der Satz im Aufruf: „Im Folgenden wollen und werden wir uns nicht mit diesen Positionen auseinandersetzen…“ lässt tief blicken. Es ist gerade eine solche Ignoranz und Arroganz, die einem linksemanzipatorischen Gesellschaftsprojekt schadet. Zu unterstellen, dass die betroffenen Referenten, linker und emanzipatorischer Politik entgegenstehen, zeugt von Unkenntnis. So kann dem Grundsatzdokument und diversen Stellungnahmen des BAK Shalom durchaus das Bewusstsein für die Notwendigkeit emanzipatorischer Politik und ihrer Unterstützung innerhalb der israelischen und arabischen Gesellschaft entnommen werden. Thomas von der Osten-Sacken arbeitet z.B. mit Hilfe des Vereins Wadi e.V. im Nahen Osten u.a. für die Verbesserung der Lebenssituationen von Frauen. Die Erfahrungen aus dieser Arbeit sollten vielmehr in die Diskussion linker Gruppen über regionale Konflikte einfließen, anstatt diese nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Der BAK Shalom tritt für einen solidarischen Umgang und eine offene, differenzierte Auseinandersetzung um politische Inhalte in der Linken ein. Wir würden es daher begrüßen,
wenn im Sinne der im Aufruf genannten Werte wie Meinungsvielfalt, Internationalismus und Solidarität die unsäglichen Anschuldigungen gegen Stephan Grigat, Thomas von der Osten-Sacken und Sebastian Voigt zurückgenommen und die weitere Verleumdung ihrer Person unterlassen wird. Eine Rückkehr zur sachlichen Diskussion ist die einzige Möglichkeit, welche allerdings von den KritikerInnen der Ferienakademie durch die verlogenen Anschuldigungen stark unterminiert worden ist.

Ferner verweisen wir in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme des AK Antisemitismus, welcher wir uns mit Nachdruck anschließen. [Link]

[Download als *pdf]

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3 Responses »

  1. [...] 20.07.2009: Der BAK Shalom der Linksjugend [’solid] veröffentlicht seine Stellungnahme [...]

  2. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Leider ist es in sogenannten linken Kreisen oft der Normalfall, dass man mit “antideutsch” abgewürgt wird, wenn man Antisemitismus aufzeigt und kritisiert, auch wenn man auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben und überhaupt auf die Situation von Frauen in einigen klerikalfaschistischen Systemen aufmerksam macht, wird einem Eurozentrismus oder gleich Rassismus vorgeworfen. Wobei noch die Frage zu klären wäre, wie ich als Europäer überhaupt eine nicht-europäische Sicht entwickeln soll. Mir ist auch nicht klar, warum sowas dämliches wie eine Religion besonderen Schutz haben soll, warum werde ich als Rassist bezeichnet, wenn ich mich über den Islam lustig mache, als Antisemit, wenn ich mich über das Judentum lustig mache und einfach nur als radikal, wenn ich über das Christentum herziehe? Ich rede dabei von Irrsinn, der den Leuten durch den Kopf geht, nicht von “Rassen” oder irgendwelcher Dinge, die angeboren und unveränderlich sind. Kritik an Religion sehe ich als eine von den linken vernachlässigte Aufgabe an. Aufklärung sollte hohe Priorität genießen, auch wenn es bedeutet, den Kuschelkurs mit dem örtlichen Pfarrer aufzugeben. Der mag zwar manchmal im Kampf gegen Rechts mitmachen, ist aber für emanzipatorische Politik nicht zu gebrauchen. Aber zurück zum Thema.
    Dass gewisse Diskussionen kategorisch unterdrückt werden sollen, ist ein Armutszeugnis. Es zeigt aber auch, dass ihr auf dem richtigen Weg seid, eure Arbeit ist notwendig. Im Moment ist die Linke absolut nicht wählbar, hauptsächlich wegen Gestalten wie Norman Paech, die in der NPD viel besser aufgehoben wären. Wenn ihr eure Arbeit gut macht, könnte sich das mittelfristig ändern. Andererseits ist nebst Antisemitismus auch noch jede Menge falsche Kapitalismuskritik verbreitet, die sich zwar in der nichtdenkenden Bevölkerung gut populistisch für Wahlkampfzwecke nutzen lässt, aber kein Indiz dafür darstellt, dass eure Partei eine emanzipatorische Politik betreiben würde. Pluralismus schön und gut, aber man kann ja auch mal Sachen ausdiskutieren, das wäre besser. Am Kapitalismus sind sicher nicht einzelne gierige Bänker das Problem (auch bei einer solchen Sicht sehe ich starke Ähnlichkeiten zu Naziideologie), sondern die Aufspaltung der Menschen in jene, die Produktionsmittel besitzen und solche, die permanent danach streben müssen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Das Unterdrückungsverhältnis beginnt bei der Arbeit und nicht in der Sphäre in der sich die Kapitalisten darüber streiten, wie sie den ausgepressten Mehrwert untereinander zu verteilen haben. Solche Diskussionen sollten ruhig mal wieder geführt werden.

  3. Sehr hilfreich! Vielen Dank dafür.

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