Podiumsdiskussion “Linker Antisemitismus ?” – eine Auswertung

By • Apr 29th, 2009 • Category: Berichte

Auswertung und Bericht zur Podiumsdiskussion “„Linker Antisemitismus ?“”

Am 22. April 2009 fand in der Geschäftsstelle der Linken Pankow eine Podiumsdiskussion zum Thema „Linker Antisemitismus“ statt. Der Themenüberschrift wurde wohlweißlich ein großes Fragezeichen beigefügt.

Gerade einmal etwa 20 Besucherinnen und Besucher fanden sich trotz der bekannten Brisanz der Thematik in der Geschäftsstelle ein. Auf dem Podium saßen der Historiker Prof. Mario Keßler und der Sprecher des BAK Shalom der Linksjugend, Benjamin Krüger. Mario Keßler hat sich in diversen Publikationen mit der Geschichte antisemitischer Stereotypen in der politischen Linken auseinandergesetzt, Benjamin Krüger vertrat einen Arbeitskreis, der sich explizit mit Antisemitismus in der Gegenwart der Linken beschäftigt. Die Besetzung war nicht zufällig gewählt: Es sollte erörtert werden, dass Antisemitismus in der Linken ein sowohl historisches Phänomen ist, dessen Geschichte weit vor der Gründung des Staates Israel und der folgenden Kriege im Nahen Osten liegt und dass antisemitische Denkmuster noch immer aktuelle Relevanz haben. Mario Keßler präsentierte einen kurzen Überblick über die Geschichte antisemitischer Einstellungen in der Linken, Benjamin Krüger sprach die aktuellen Erscheinungen an. Leider wurde schnell deutlich, dass seitens der Besucherinnen und Besucher eher wenig Interesse an der Diskussion um einen vermeintlichen linken Antisemitismus bestand, vielmehr prägten Meinungen zum Nahost-Konflikt die Wortmeldungen und Beiträge jenseits des Podiums. Leider wurden diese auch zum Teil auf eine Art und Weise hervorgebracht, die erwachsenen Menschen nicht würdig ist. Von Brüll- und Schreiattacken über persönliche Beleidigungen bis hin zum patriarchalisch-männlichen Imponiergehabe war alles vorhanden. Das ist schade, da man daher konstatieren muss, dass das eigentliche Thema kaum erörtert werden konnte und die Frage um die Existenz eines linken Antisemitismus weiterhin von „Wahrheiten“, einfachen Parolen, Bekenntnissen und der Fixierung auf den Konflikt im Nahen Osten überdeckt wurde. Immerhin blieben wir aber von Abordnungen der Linksruck-Sekte (heute „Marx21“) und von antideutschen Missionaren verschont, die dieses Thema normalerweise auf vielfältige Art instrumentalisieren. Es ist uns trotzdem nicht gelungen, dieses wichtige Thema ausreichend und erkenntnisgewinnbringend zu bearbeiten. Es bleibt wohl festzuhalten, dass für solche eher anspruchsvollen Themen eine Podiumsdiskussion der falsche Ort ist, wenn man sie jenseits der platten Bekenntnisebene erläutern möchte. Dass das Thema antisemitischer Denkmuster in der Linken aktuell bleibt und wir uns damit weiterhin, auch offensiv, auseinandersetzen müssen, bleibt aber unbestritten.

Arbeitsgruppe Politische Bildung der Linken Pankow

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