LAK Shalom Brandenburg gegründet

By stfn • May 9th, 2008 • Category: linksjugend ['solid]

LAK Shalom BrandenburgSozusagen zum 60. Geburtstag Israels haben Brandenburger Genoss_innen den LAK Shalom Brandenburg gegründet. Dieser LAK ist nach Berlin der zweite Arbeitskreis auf Landesebene. Außerdem sind LAK-Gründungen in Hamburg und Sachsen geplant. An dieser Stelle dokumentieren wir die Gründungserklärung des LAK Shalom Brandenburg. Auch möchten wir auf den Blog des Arbeitskreises verweisen.

„Wenn wir heute es nicht tun, werden wir es nie tun.“
(David Ben Gurion)

Anfang Mai dieses Jahres fallen zwei wichtige Ereignisse aufeinander. Es ist zum Einen der Sieg der Anti-Hitler-Koalition über das nationalsozialistische Deutschland vor 63 Jahren und zum Anderen die Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren.

Ein zentrales Ziel der Nationalsozialisten war es, das gesamte Judentum Europas auszulöschen. Erst mit dem Sieg der Alliierten konnte dieser Vernichtungskrieg endgültig gestoppt werden. Für die wenigen jüdischen Überlebenden gab es oftmals nur eine Hoffnung: Der neue Staat Israel, der sie zukünftig vor antisemitischen Übergriffen schützen sollte. Während die Deutschen die Trümmer ihres Weltkriegs-Verbrechen wegschaufeln, erklären mutige Menschen in Tel Aviv die Gründung Israels. Deshalb stehen beide Ereignisse in enger Verbindung zueinander. „Wer von Israel spricht, darf von der Massenvernichtung der europäischen Juden nicht schweigen.” (Detlev Claussen)

Mit der Gründung Israels ist der Antisemitismus aber nicht verschwunden – ganz im Gegenteil, er ist fester Bestandteil regressiver Ideologien und in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden. Seine neue Ausprägung besteht u.a. in der Form des sekundären Antisemitismus, also als Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.

Es ist nicht verwunderlich, dass auch Brandenburg bekannt ist für eine Vielzahl von antisemitischen Übergriffen. Am Abend des 9. November 2006 kam es zur Schändung des Gedenksteins der jüdischen Synagoge in Frankfurt (Oder). Rechtsextremist_innen griffen die Teilnehmer_innen der „Judenveranstaltung“ an. Traurig ist, dass dieser Gedenkstein jede Woche geschändet wird, doch nur zum Gedenktag an die Pogromnacht wurde diese Tatsache auch wirklich registriert.
Ähnliches ist aus der Brandenburger Stadt Forst zu berichten. Zwischen 2006 und 2007 wurde mehrmals der Gedenkstein der ehemaligen Synagoge geschändet.

Allzu oft werden diese Taten als „Dummheiten“ oder „Streiche“ abgestempelt. Diese Ansicht verkennt aber, dass der Antisemitismus nicht nur Ablehnung gegenüber allem Jüdischen ist, sondern ein Weltbild darstellt, welches einfache Antworten auf schwierige Fragen anbietet.
Zentral im Antisemitismus ist die Erklärung der modernen kapitalistischen Weltökonomie. Diese wird nicht als ein sich subjektlos vollziehender Prozess gesehen, sondern als ein von bösen Menschen gezielt durchgesetztes Ausbeutungsprojekt.
Nach demselben Muster erklärt der Antisemitismus den zweiten wichtigen Bereich der modernen Gesellschaft: die Politik, den modernen Staat, den demokratischen Widerstreit, unterschiedliche und gegensätzliche Interessen sowie die Entwicklung des Kommunismus. Politiker werden angeblich gekauft, um Presse und Wirtschaft zu manipulieren.
Hier setzt auch der dritte Punkt an: Für alle Phänomene der modernen Gesellschaft seien die Juden verantwortlich: für die Auflösung traditioneller Autoritäts-, Familien- und Geschlechterbeziehungen, für die radikale Infragestellung von allen althergebrachten Normen, für moderne, abstrakte Kunst, für die Massenkultur, für die Frauenemanzipation, für Verstädterung und Psychoanalyse.

Dies sollen nur drei genannte Punkte sein. Aber wie bereits oben beschrieben, sind eine Vielzahl von Merkmalen des Antisemitismus entstanden. Dazu zählt die Tatsache, dass auch die politische Linke nicht immun gegen Antisemitismus ist und eine Form des linken Antisemitismus entwickelt hat.

Wenn in diesem Mai gefeiert und erinnert wird, dann darf nie vergessen werden, dass es heute noch einen Kampf gegen die antisemitische Ideologie zu führen gilt, damit „Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.” (Theodor W. Adorno)

Genau deshalb erklären wir Sozialist_innen und Kommunist_innen der Linksjugend ['solid] Brandenburg die Gründung des LAK Shalom Brandenburg, welcher innerhalb des Landesverbandes eine Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus bilden soll.

Frankfurt (Oder) | 9.5.2008

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One Response »

  1. Herzlichen Glückwunsch!
    Ja, in der Tat wird es auch in Hamburg eine LAK Shalom Gründung geben. Der voraussichtliche Termin dazu wir Freitag, der 13 Juni (19 Uhr) sein. Wer Interesse hat, melde sich gerne bei uns.

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